Diplomlernen macht komisch. Man beschäftigt sich mit mehr oder minder sinnlosen Dingen, für die sich kein (oder zumindest kaum) ein anderer Mensch interessiert. Sedimenthaushalte, Maulwurfslochsysteme und der Sedimenttransport durch diese, Kohlenstoffspeicherung in den Flussauen des Rheins und der Einfluss der Linienbandkeramiker auf ihre Umwelt. Trotzdem muss man diese irgendwo loswerden.
Deshalb heute ein kleiner Ausflug in die Tierwelt zu Regenwürmern, Langusten, Leierschwänzen, Elephanten, Nilpferden, Seegurken und Wattwürmern. Umgefallene Bäumen sind auch noch sehr interessant. Was diese alle gemeinsam haben?
Ein ganzes Kapitel in der Monographie die ich aktuell lese, ist Regenwürmer und Termiten in den Tropen gewidmet. Die Bedeutung von Regenwürmern ist unglaublich: sie modifizieren Bodenprofile, bewegen Material, erhöhen die Infiltrationskapazität.. In Südafrika bewegen Regenwürmer bis zu 110 t/ha/Jahr an Material. Faszinierend, oder?
Auch Leierschwänze und Langusten gehören zur den biogeomorphologischen Agenzien, Leierschwänze können nicht nur toll Stimmen imitieren sondern tragen z.B. in Australien zum Bodenabtrag bei, übrigens genau wie umgefallene Bäume.
Sehr amüsant war auch das Kapitel über Elephanten und Nilpferde. Elephanten können z.B. aus Wald Grasland machen indem sie die Bäume ausreißen, so geschehen in den tansanischen Nationalparken. 4 – 5% der Bäume werden in jedem Jahr durch Elefanten gefällt. Auch Hippos sind tolle Tiere, so reißen sie das Gras aus und entfernen dadurch die stabilisierende Wirkung und führen so, genau wie der durch die Elephanten entfernte Wald, zu Bodenabtrag. Zwischen Termitenhügeln können außerdem Senken entstehen, die dann durch Elephanten noch weiter verstärkt werden, indem sie das hier gesammelte Wasser trinken und dabei Matsch entnehmen.
Seegurken sind auch ganz spannend. Diese grasen nämlich an Korallenriffen und können durch den Beweidungsdruck (!) das Korallenwachstum reduzieren! Auch der Wattwurm ist gar nicht so unschuldig wie er scheint, so führt er zur Sedimentdestabilisierung an Wattküsten, während Shrimpsaktivität zu Hügeln im Lagunensand führt & und zu Bioakkumulation von Radionukliden nach Atomwaffentests.
Ob ich diese spannenden Details wohl tatsächlich für meine Prüfung gebrauchen kann? Ich bezweifele es.
Die versprochenen Fotos aus den letzten Wochen in Taiwan sind übrigens nicht vergessen, haben nur im Moment nicht so eine hohe Priorität. Aber sie kommen noch.