Gesundheitssystem
Keine zwei Stunden auf taiwanesischem Boden hatte ich auch schon die einzigartige Moeglichkeit, einen Einblick in das taiwanesische Gesundheitssystem zu erhalten – mein von einer Biene gestochener Fuss hatte sich waehrend des Fluges einschliesslich des Fussgelenks in eine Art Luftballon verwandelt, sah also wie aufgeblasen aus und schmerzte stark bei Bewegen und Auftreten.
Obwohl ich im zunaechst dachte, dass ich das bestimmt auch allein schaffen wuerde im Krankenhaus, war ich doch sehr bald froh, zwei taiwanesische Begleiter dabei zu haben, welche die DAAD-Gruppe hier vor Ort betreuen, und mich tatkraeftig bei meinem doch sehr mangelhaften.. aehm, nicht vorhandenen Chinesisch unterstuetzten.
Einkaufscenter?!
Beim Betreten des National Cheng Kung University Hospital dachte ich im ersten Moment von der Aufmachung her an ein Kaufhaus mit grossem Eingangsbereich und bunten Plakaten. Auch die Menschenmassen sprachen dafuer, genau wie der bei einem weiteren Besuch entdeckte Supermarkt, Blumengestecke und Zierpflanzen in den Gaengen, ein Springbrunnen hat vielleicht noch gefehlt.
Waehrend diverser Wartezeiten stellte sich heraus, dass es in Taiwan wohl nicht ueblich ist, wie bei uns zum Arzt zu gehen bzw. dass alle Aerzte im Krankenhaus arbeiten, deshalb auch die vielen Menschen, also Patienten. Die Ausbildung der Aerzte scheint hier recht aehnlich zu sein in wie in Deutschland, mit einer Begrenzung der Studienplaetze fuer die Besten des Jahrgangs, der Arztberuf scheint hier, wie in Deutschland auch, ein sehr angesehener Beruf zu sein, trotz hoher Anforderungen an Stress- und Schlafmageltoleranz wohl insbesondere waehrend der ersten zwei Jahre “practical training”. Die Aerzte, welche ich kennenlernte, uebrigens meist Aerztinnen, erschienen mir alle sehr jung (wenn man bedenkt, wie lang die Ausbildung dauert), aber auch sehr kompetent und vor allem sprachen sie zu meiner Freude fliessend Englisch.
Die einzelnen Abteilungen im Krankenhaus (wir wurden zunaechst in die “Surgery” geschickt, was mir ein wenig Angst machte) stellten sich bei naeherer Betrachtung als eine Art “Gemeinschaftspraxen” mit einem Wartezimmer fuer verschiedene Aerzte dar, die Reihenfolge der Patienten bestimmt sich aufgrund einer am Empfang vergebenen Nummer und Anzeigetafel. Da die Tafel unseres Arztes Nr. 16 zeigte, wir 29 hatten, mein Fuss sehr weh tat und fuer 12 Uhr Mittagsessen geplant war, beschlossen meine Begleiter, doch lieber direkt in die Notaufnahme zu gehen.
Notaufnahme
War im restlichen Krankenhaus schon viel los, war die Notaufnahme geradezu ueberfuellt, ein Gewusel aus Aerzten, Krankenschwestern, Sanitaetern, Volunteers, Kranken und deren Familienangehoerigen. Auf jeden Kranken kam mindestens ein Angestellter, was hier fuer einen reibungslosen Ablauf sorgte. Die Vielzahl der Angestellten war fuer mich zunaechst undurchsichtig, spaeter wurde mir dann aber erklaert, dass die bunten Uniformen Krankenschwestern sind, die Aerzte natuerlich in weiss und dann gibt es noch sogenannten “Volunteers” in roten Westen, welche freiwillig mithelfen und mir fuer das Funktionieren des Systems als sehr wichtig erschienen, da sie einfach kleinere Aufgaben uebernehmen wie Betten schieben, fuer welche die Ausbildung zu Krankenpflegepersonal nicht noetig ist, welches somit an anderer Stelle sinnvoll eingesetzt werden kann.
Trotz der Hektik und des typischen Krankenhausgeruchs erschien mir die Atmosphaehre nicht so bedrueckend, wie in deutschen Krankenhaeusern, was denke ich vielleicht auch mit der taiwanesischen Freundlichkeit und Familienzusammengehoerigkeit zusammenhaengt, welches dem ganzen trotz Stress irgendwie eine waermere Atmosphaere gab.
Vor allem erschien mir das ganze auch deutlich besser organisiert als in Deutschland und anderswo, so musste ich nur 10 Minuten warten, bis ich an der Reihe war und kompetent von einer englischsprechenden Krankenschwester betreut wurde. Wobei ich hier dazu sagen muss, dass das Ganze wahrscheinlich weitaus schwieriger und anstrengender gewesen waere, wenn meine Begleiter nicht den gesamten Papierkram erledigt haetten, den ich eh nicht haette lesen koennen.
“Stung by a bee?!”
In einen Rollstuhl verfrachtet sah sich eine sehr kompetent erscheinende Aerztin der Abteilung “Trauma” (!?) meinen geschwollenen Fuss an und konnte auch mit einem Bienenstich etwas anfangen. Hier muss man naemlich dazu sagen, dass meine taiwanesischen Begleiter mich am Anfang gar nicht verstanden haben, als ich sagte, ich sei “stung by a bee”, ich glaube sie dachten, ich wuerde einen Witz machen und fragten, ob ich Honig auf den Fuss geschmiert habe. Als ich sie dann irgendwann ueberzeugt hatte, dass ich wirklich von einer Biene gestochen wurde (“Did you see it was a bee?!”), meinten sie, ich sollte doch in Taiwan mal Lotto spielen, wenn mir schon etwas mit so geringer Wahrscheinlichkeit passiere. Bienenstiche scheinen also hier hoechst selten zu sein und ich musste bis ins kleinste Detail schildern, warum um Himmels Willen mich nun eine Biene gestochen hatte
Nach 1,5 Stunden am Tropf mit einem Mittel, was zum Abschwellen beitragen soll, hatten wir dann den Lunch verpasst, meinem Fuss geht es aber immerhin schon wieder besser, auch wenn das mit dem Abschwellen noch nicht so ganz klappt und ich deshalb das Privileg genoss, ueberall hingefahren zu werden – mit einem der vielen Rollern, die hier jeder hat, gut, dass von zu Hause mich keiner mit Rock und Flip Flops hintendrauf sieht
Auf jeden Fall ein Erlebnis, das Roller fahren hier, aber ich wuerde mich glaub ich sicherer fuehlen, wenn ich selbst fahren wuerde. Vielleicht ergibt sich dazu ja in den naechsten zwei Monaten mal die Gelegenheit.